Rasanter Anstieg der Zinsen bei Immobilienkrediten: Wird Bauen ein teures Vergnügen?
Durch die jahrelange Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) fielen die Bauzinsen in der Vergangenheit niedrig aus, dementsprechend häufig wurde der Traum vom eigenen Heim verwirklicht. Seit Beginn des Jahres 2022 sind diese Zinsen jedoch stark angestiegen, was die Entscheidung für eine eigene Immobilie komplizierter macht. Zudem sind auch Bestandsimmobilien von der Krise betroffen. Ein Überblick.

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Massive Kostenexplosion
Dramatische Wende bei der Immobilienfinanzierung: Die Zeiten niedriger Zinsen sind für Häuslebauer definitiv vorbei. Laut Angaben auf der Website des Finanzdienstleisters tecis betrugen die Kreditzinsen im Juli 2022 satte 3,3 Prozent, im Mai waren es noch 2,6 Prozent. Wie dynamisch diese Verteuerung ist, zeigt ein Vergleich: Im Jahr 2021 lagen die Bauzinsen noch auf einem Niveau von rund 0,8 Prozent.Der Bau oder Erwerb der eigenen Immobilie durch eine Baufinanzierung wird durch die nun höheren Zinsen recht kostspielig. Nachdem die EZB im Juli dieses Jahres den Leitzins das erste Mal seit 2011 um 0,5 Prozent angehoben hat, dürfte dieser Negativtrend anhalten.
Während Verbraucherinnen und Verbraucher beim Konsum und beim Sparen von der Leitzinsanhebung profitieren, werden die Immo-Kredite immer teurer. Erschwerend kommt hinzu, dass die Banken die Kriterien für die Kreditvergabe verschärfen. Grund hierfür sind strengere Vorgaben durch die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin, so der tecis-Artikel. Sie geben den Kreditgebern vor, für Immobilienkredite zusätzliches Kapital anzulegen. Auf diese Weise wird dem Risiko einer drohenden Immobilienblase vorgebeugt. Allerdings geben die Institute diese Mehrkosten zum Teil an ihre Kreditklientel weiter.
Weitere Infos zum Thema Immobilien und Inflation gibt es hier, in einem aktuellen tecis-Podcast.
Die Inflation als Preistreiber
Verursacher für die steigenden Bauzinsen ist die hohe Inflation. Vor allem die Energiepreise sind durch den Ukraine-Krieg in die Höhe geschossen. Außerdem hatten sich bereits vor dem Ausbrechen des Konflikts die Preise für viele Rohstoffe und Lebensmittel wegen der Coronakrise erhöht. Die Folge: Im August 2022 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 7,9 Prozent. Der von der EZB bestimmte Idealwert liegt bei zwei Prozent.
Nicht nur neue Immobilienkredite sind betroffen
Die Krise belastet nicht nur neue Vertragsabschlüsse zur Immobilienfinanzierung, sondern auch Bestandsimmobilen: Nachdem seit Jahren die Preise für Wohnungen und Häuser angestiegen sind, haben nun aufgrund des Arbeitskräftemangels und der Materialknappheit auch noch die Preise für Handwerksleistungen und Baumaterialien zugelegt. Wer bereits eine Immobilie besitzt, muss mehr für Reparaturen und Renovierungen zahlen. Eine Entspannung des Marktes ist hier auf absehbare Zeit nicht in Sicht.
Und wer gerade eine Immobilie abbezahlt und zukünftig eine Anschlussfinanzierung benötigt, sollte aufgrund der steigenden Bauzinsen schnellstmöglich umschulden. Der Grund: Durch die Ablösung eines alten Kreditvertrags durch einen neuen lassen sich etwaige Kostensteigerungen leichter berechnen und beherrschen. Allerdings ist dann häufig eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig. Außerdem gibt es für die Kreditinstitute keine Verpflichtung, laufende Verträge abzulösen.
